Über mich

Mein Name ist Thomas Nickl.

The Daffodils und Thomas Nickl
  • Baujahr 1953
  • Diplombiologe
  • Lehramt Biologie, Chemie, Geographie (Gymnasium Unterhaching, Oskar-Maria-Graf-Gymnasium Neufahrn)
  • Auslandsdienst (Deutsche Schule Bilbao 1993-99)
  • Seminarlehrer für Biologie (Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching, Rupprecht-Gymnasium München)
  • Mitarbeit u. a. bei den Projekten Chik (Chemie im Kontext), DEMO (Teilchenmodell in der Unterstufe), „Bio? – Logisch!“ (Praktikumsordner Biologie)
To be or not to be … (Tigerschädel aus der altehrwürdigen Sammlung des Rupprecht-Gymnasiums und Thomas Nickl)

Ganz herzlichen Dank an meinen Kollegen Felix Leitenberger für die unermüdliche Hilfe bei den technischen Fragen!

 

Ich habe nie eine Grundschule besucht, bin nicht nach der 4. Klasse in eine höhere Schule übergetreten, nie in ein Gymnasium eingeschult worden und schon garnicht in eine 5. Klasse und habe streng genommen nicht einmal das Abitur abgelegt.

In meinem Jahrgang ist das nicht ungewöhnlich, denn 1959 gab es noch die gute, alte Volksschule (von der 1. bis zur 8. Klasse), die erst in der Mitte der Sechzigerjahre in Grund- und (damals) Hauptschule getrennt wurde. Der Übertritt in eine höhere Schule erfolgte in dieser Zeit regulär entweder nach der 4. oder nach der 5. Klasse, je nach Entwicklungsstand – und bei mir hat sich das fünfte Volksschuljahr immer positiv ausgewirkt.

Zentralschulhaus Freilassing, in dem ich nicht nur fünf Jahre lang in die Volksschule ging, sondern auch meine Wohnung hatte. (Aufnahme nach der Renovierung: 2016) Dieser Anblick ist auch in Gerhard Polts Film „Und Äktschn!“ zu sehen.

Noch 1964 durfte nur eine altsprachliche höhere Schule den Namen Gymnasium beanspruchen; ich kam dagegen in die Oberrealschule (die heutige Realschule hieß damals Mittelschule) mit grundständigem Englisch und mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet. Die Zählung begann wieder von vorne mit der 1. Klasse, so dass ich diese Jahrgangsstufe nominell zwei Mal im Abstand von fünf Jahren besucht habe. Aufgrund der bundesweiten Schulreform rückte ich allerdings schon ein Jahr später statt in die 2. gleich in die 6. Klasse vor. Nach neun Jahren legte ich die Reifeprüfung ab; man sprach zwar auch damals vom Abitur, aber auf meinem Reifezeugnis taucht dieser Begriff nicht auf. Dafür gab es 1973 ein Bonus-Malus-System, einen Länderausgleich der Abiturnoten, bei dem Bayern aufgrund seines guten Durchschnitts einen Malus von insgesamt 0,2 kassierte, Berlin dagegen einen Bonus.

Die Villa Karg, Altbau des Karlsgymnasiums Bad Reichenhall, vom Park aus gesehen. Anfang der Siebzigerjahre waren die Giebel noch bemalt und die Freitreppe führte noch hinab in den Karlspark.

Beflügelt von der Idee, es Konrad Lorenz gleichzutun und ein charismatischer Verhaltensforscher zu werden, studierte ich begeistert Biologie an der LMU (besuchte aber auch ganz im Sinne eines studium generale die Forstwissenschaftler, Sozialpädagogen und Hispanisten), legte das Diplom ab (damals der einzige wissenschaftliche Studienabschluss) und stellte fest, dass ich weder das Zeug für einen erfolgreichen Verhaltensforscher hatte, noch mit der Perspektive der kurzfristigen Arbeitsverträge an den Universitäten klar kam. Zwei Monate als Aushilfe für eine erkrankte Lehrkraft an Münchner Klosterschulen bestärkten mich in der Annahme, dass das Lehramt für mich die bessere Alternative sei.

Das chemische Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München in der Meiserstraße nahe dem Hauptbahnhof 1974.

Und so hängte ich noch ein Lehramtsstudium an mit ein paar Scheinen in Chemie und einem Turbostudium in Geographie. In meiner Studienzeit widmete ich mich außerdem intensiv der Jugendarbeit im Naturschutz (ich war an der Gründung der Jugendorganisation des Bund Naturschutz in Bayern beteiligt), tingelte ein paar Jahre mit Vorträgen über Waschmittel durchs Land (damals eines der ersten ökologischen Themen, die ein breites Publikum interessierten) und musizierte mit der Liedermachergruppe Vielfalter auf Bayerns Kleinbühnen.

Nach zehn Jahren Studentendasein stellte ich mich endlich dem Ernst des Lebens in Form des Referendariats am Rupprecht-Gymnasium München mit Zweigschuleinsatz am Michaeli-Gymnasium München.

Als einziger von uns acht Biologie-Chemie- bzw. acht Geographie-Referendaren erhielt ich sofort eine Lebenszeit-Anstellung, denn meine Name stand als einziger auf der Liste mit den drei Hauptfächern B/Ch/Ek (damals hieß die Schulgeographie noch Erdkunde) und somit unabhängig von meiner Note auf Platz 1. Der Tipp aus dem Ministerium, Erdkunde als Haupt- und nicht als Nebenfach einzustufen, war also Gold wert.

Siebeneinhalb Jahre verdiente ich mir die Sporen am Gymnasium Unterhaching, wo mir liebenswerte Kollegen den letzten Schliff verpassten.

Dann fühlte ich mich reif für den Auslandsdienst und war glücklich, für sechs Jahre nach Spanien zu kommen, dessen Sprache ich bereits beherrschte. In Bilbao musste ich allerdings feststellen, dass die Menschen dort zwar alle spanisch sprechen, sich viele aber ausschließlich als Basken, allenfalls noch als Europäer fühlen und in Spanien eher einen Gegner sehen. Da es kaum deutsche Schüler an der Deutschen Schule gab und ich vorwiegend Chemie vor spanischsprachigen Schülern auf Deutsch hielt, hatte ich genügend Anlass, mich um das zu kümmern, was heute „sprachsensibler Unterricht“ genannt wird. In Bilbao wurden auch meine Kinder geboren, ein Umstand, der meine Tätigkeit als Lehrer nachhaltig beeinflusst hat.

Das ist nicht die Deutsche Schule Bilbao, sondern das berühmteste Wahrzeichen der baskischen Stadt: das Guggenheim-Museum und zwar aus einer der Perspektiven des James-Bond-Films „The World Is Not Enough“, dessen erste Szenen 1999 dort gedreht wurden.

Nach meinem Auslandsdienst wurde ich dem Oskar-Maria-Graf-Gymnasium in Neufahrn (bei IKEA) zugeteilt, wo ich zunächst für vier Funktionen (Fachbetreuung und Sammlungsleitung jeweils in Biologie und Chemie) eine Ermäßigung von genau einer Stunde erhielt (was aber im Jahr darauf bereits verdoppelt wurde, immerhin) und das erste Abitur der noch jungen Schule abnahm. In den siebeneinhalb Jahren dort entstand in kongenialer Zusammenarbeit mit Jochen Meyer unter anderem ein erfolgreiches Konzept für „Naturwissenschaftliches Arbeiten“.

Innenbereich des hufeisenförmigen Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums in Neufahrn bei Freising mit dem grünen Musikbau, hinter dem der Bereich Biologie-Chemie liegt.

Der immer stärker werdende Drang, meine Lehrerfahrungen weiterzugeben, führte mich zurück nach Unterhaching, wo die Schule inzwischen massiv vergrößert und mit einem neuen Namen versehen worden war: Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching. Dort baute ich mit Helga Meyer das neu gegründete Biologie-Chemie-Seminar als Dependance des Maximiliansgymnasiums auf.

 

Der frisch gebackene Seminarlehrer am LMGU 2008

Der Wunsch nach kürzerer Fahrzeit an den Arbeitsplatz brachte mich nach wenigen Jahren zurück an das Rupprecht-Gymnasium, wo ich stolz den Platz meiner ehemaligen Biologie-Seminarlehrerin, Frau Dr. Drevs, einnahm und damit den Bogen meines beruflichen Lebens abrundete.

Das Rupprecht-Gymnasium München (Altbau im Jugendstil, Brücke zum Neubau Nachkriegsmoderne)

Seit 16. Februar 2019 bin ich in Pension. Zum Schulaustritt hat mir meine Tochter eine Schultüte gebastelt:

Für einen leidenschaftlichen Lehrer besteht beim Übertritt in die Pensionsphase die Gefahr, in ein schwarzes Loch zu fallen. Nun hatte ich sicher nie zu wenige Interessen und Hobbies, war mir aber nicht sicher, wie ich mich fühlen würde, wenn ein bedeutender Teil des Sozialkontakts und der Wertschätzung („gebraucht werden“) wegfallen. In den Jahren vor meiner Pensionierung habe ich mich durch Lesen entsprechender Bücher, Gesprächen mit älteren Ex-Kollegen und eigenes Nachdenken im stillen Kämmerlein ernsthaft mit der Frage beschäftigt, wie mein Leben aussehen könnte und sollte, „wenn das Wochenende 7 Tage hat“ (Zitat: Herbert Stumpf). Mir wurde durchaus etwas bang, als das berufliche Ende spürbar näher rückte. Aber in meinen letzten zwölf Monaten beobachtete ich mich selbst, wie es mir bei jeder Kleinigkeit ging, die ich nunmehr zum letzten Mal machte. Und ich war etwas erstaunt, dass mein Gefühl jedesmal sagte: „Schön, dass ich das so lange Zeit über gemacht habe, aber auch schön, dass ich es nicht mehr machen muss.“ Am letzten Schultag Mitte Februar 2019 fuhr ich mittags als Lehrer heim, machte meinen Nachmittagsschlaf und wachte bereits als Pensionist auf. Ich bin überzeugt, dass dieser mühelose Übergang auf meine rechtzeitige Beschäftigung mit der Problematik zurückzuführen ist. Herbert Stumpf* empfiehlt Menschen mit Freude an ihrem Beruf, ihre berufliche Tätigkeit nicht abrupt zu stoppen, sondern ausklingen zu lassen. Ich setze das insofern um, als ich nach wie vor im Lehrerchor mitsinge, didaktische Fortbildungen halte (u. a. für den vbio) und diese Webseite betreibe. Jetzt muss ich noch lernen, mir nicht zu viel vorzunehmen für meine viele freie Zeit (Musik, Reisen, Gartenbauverein, Schlaraffia: vgl. „Erholung“ > „Erholung für Männer“).

* Für diese Nennung erhalte ich keinerlei Vergünstigungen; ich finde das Buch einfach hilfreich.